Rippers

Gründung unserer Loge

6. März 1892

Nach einer – besonders für unseren noch immer angeschlagenen Priester Alexander – etwas kurz geratenen Erholungszeit in Edinburgh haben wir uns zurück auf den Weg nach Aberdeen gemacht, um nun unsere eigene Loge zu gründen.
Wir hatten das bereits mit den Kollegen aus Edinburgh, ebenso wie mit van Helsings Loge in London, besprochen und von Johann van Helsing für diese Zwecke bereits 400 Pfund erhalten.

Einige Örtlichkeiten wurden für uns ausgewählt, die da wären:
Die Kanalisation von Aberdeen, für 400 Pfund, was aber jeder von uns eindeutig abgelehnt hat. Die Gründe hierfür sind wohl nachvollziehbar und bedürfen keiner näheren Erläuterung.
Ebenso wenig Anklang fand die verlassene Fabrik, die für 800 Pfund zu kaufen gewesen wäre. Diese hätte nur großzügige Räumlichkeiten geboten, doch der Eindruck bei unseren potenziellen Geldgebern wäre wohl nicht allzu gut gewesen.
Der dritte Standort wäre ein Bauernhof, außerhalb von Aberdeen, für 500 Pfund. Dieser Standort fand relativ viel Anklang bei allen. Einer der positiven Aspekte, die aufgeführt wurden, war die Tatsache, dass ein Bauernhof eine relativ gute Tarnung bietet, ebenso wie viel Platz und die Möglichkeit, selbst Nahrung anzubauen und Tiere zu halten – sich also selbst versorgen zu können. Auch die Abgeschiedenheit kann positiv ausgelegt werden, kann jedoch auch gegen uns verwendet und wir können hinterrücks angegriffen werden. Außerdem hat ein Bauernhof keine schützenden Mauern oder gut überblickbares, weitläufiges Gelände, wie beispielsweise das Herrenhaus, für jenes wir uns letztendlich entschieden haben.
Es vereint einfach alle positiven Aspekte in sich: weitläufiges Gelände, großes Gebäude, gute Lage am Stadtrand; und das wohl wichtigste: unser Ansehen bei wichtigen Kontaktpersonen steigt.
Der einzige negativ zu bewertende Punkte wäre vermutlich der Preis von 1000 Pfund für Gebäude inklusive Renovierung gewesen. Doch nach reiflicher Überlegung kamen wir zum Entschluss, dass wir den Preis aufbringen können.

Durch den Umzug nach Aberdeen hatte Dr. Warringten sein Haus in London verkauft und dadurch 650 Pfund eingenommen. Mit diesem Geld und den 400 Pfund von van Helsing konnten wir den Standort für unsere eigene Loge verwirklichen. Selbstverständlich wurde Dr. Warringten durch den immensen Einsatz seines Vermögens auch als Hausbesitzer eingetragen und ich denke, wir schulden ihm alle unseren Dank.

Noch stehen viele der 20 Zimmer unseres Hauses leer oder sind nur spartanisch eingerichtet – mit dem nötigsten eben. Doch wir verfügen nun zu Anfang bereits über ein Besprechungszimmer, eine Bibliothek und einige Schlafzimmer.
Für den Anfang müssen wir uns die Schlafzimmer zum Großteil mit unseren sechs angestellten Ripperkollegen und Leon teilen, was jedoch nicht weiter schlimm ist, denn die Planung der Zimmer steht bereits und wir arbeiten bereits am Ausbau. Auch unsere beiden hilfsbereiten Bediensteten helfen tatkräftig mit.

Momentan betragen die laufenden Kosten monatlich 90 Pfund, die Höhe der Einnahmen durch unsere Auftraggeber und Gönner jeden Monat belaufen sich auf 100 Pfund. 10 Pfund Einnahmen im Monat sind doch gar nicht so übel!

Nach kurzer Nachforschung ergab sich, dass auch die Bedrohung durch die Kabale an diesem Ort nicht besonders hoch ist. Selbstverständlich müssen wir vorsichtig sein, denn man kennt uns in diesen Kreisen mittlerweile sicherlich schon, doch hier sollten wir vorerst relativ sicher sein, bis unsere Loge sich gefestigt hat.

6. April 1892

Ein Monat ist nun vergangen und der Ausbau unserer Loge kann sich sehen lassen: Einige haben bereits eigene Schlafräume und auch die Möblierung und die Bestückung unserer Bibliothek geht voran.

Ein weiterer glücklicher Vorfall hat sich ereignet: Sir Theodor Anderson, der Herr, den wir bei der Feier von Mr. Stuart McGregor kennen lernen durften, ließ uns einen Brief zukommen. In diesem vertraute er uns an, dass er gerne von London nach Aberdeen ziehen würde, da er sich ohne unsere Anwesenheit in London unwohl fühlte.
Erfreut über sein Vertrauen in uns, obwohl wir noch immer relative Neulinge bei den Ripper waren, antworteten wir ihm eilig und stellten ihm ein herzliches Willkommen aus.
Kurz darauf bekamen wir die Antwort, Sir Anderson würde bald in Aberdeen wohnen und die Loge monatlich mit 60 Pfund bezuschussen, was unsere Einnahmen auf 70 Pfund pro Monat steigerte.

Weiterhin wurde der vergangene Monat von Dr. Doyle genutzt, um Dr. Warringten und Nikolai psychologisch zu betreuen.
Durch ihre multiplen Rippertech-Implantate litt ihre psychische Stabilität zusehends und es war höchste Zeit, damit zu beginnen, dies zu lindern bevor sie (oder wir) ernsthaft Schaden nahmen. Ernsthafte Ripper-Psychosen hatte es in der Vergangenheit zu genüge gegeben und diese Gefahr sollte nicht unterschätzt werden. Glücklicherweise haben wir ja einen fachkundigen und erfahrenen Psychologen bei uns im Team, was die Sache eigentlich einfach gestalten sollte.

Dem war aber leider nicht so; Nikolai zeigte sich vor und während der Therapiezeit sehr aggressiv und Dr. Doyles Zuwendungen erzielten keinerlei Erfolge bei ihm.
Dies eröffnete uns aber die Möglichkeit, Nikolai mit Opium zu behandeln und zu stabilisieren. Ich stehe dem Missbrauch dieses Suchtmittels eher skeptisch gegenüber, doch auch ich erkenne selbstverständlich die Gefahr, die von unserem Freund ausgeht – sei es für sich oder für uns. Und wenigstens für den Übergang oder für schwere Zeiten scheint mir dies eine akzeptable Lösung.
Nikolai schien sofort sehr begeistert von der raschen Wirkung des Rauschgifts zu sein und dachte sofort an regelmäßigen Konsum. Nun, es ist immerhin seine eigene Entscheidung.. Dennoch kann ich das nicht für gut heißen.

Bei Dr. Warringten schien die Therapie überhaupt nicht anzuschlagen. Er schien nicht zugänglich zu sein und es hatte sich über die Tage ein leichter Groll gegen Dr. Doyle entwickelt zu haben, soweit ich das beurteilen kann. Jedoch weiß ich nichts genaueres.
Nun, es ist schließlich nicht jedermanns Sache, einem anderen Menschen intime Gedanken, Gefühle und Erlebnisse mitzuteilen, was ich gut nachvollziehen kann.
Auch bei ihm wurde schließlich Opium als Therapiemittel versucht, doch auch dies schien nichts auszurichten.
Aber er war wenigstens noch nicht so instabil wie Nikolai und vorerst konnten wir die Ergebnisse so hinnehmen, auch wenn sie alles andere als befriedigend waren.

Zukünftig müssen wir in diesem Bereich unbedingt noch eine Lösung finden, um schlimmeres zu verhindern.

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_owly_

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