Rippers

Rückkehr nach Aberdeen

Tagebucheintrag von Alexander Blackwell, Februar 1892

Ich bin ja so glücklich! Ich kann gar nicht fassen dass Sir Bentley meinen Wunsch nach einem eigenen Bluthund tatsächlich ernst genommen hat! Als wir aus Yorkshire zurückkehrten wartete unser werter Logenleiter tatsächlich mit einem jungen, irischen Wolfshund auf uns! Goliath – ich fand diese Anekdote durchaus belustigend…David und Goliath! – muss zwar noch erzogen werden doch ich habe mich schon in ihn verliebt. Den gebe ich bestimmt nicht mehr her! (Hoffentlich bekomme ich das mit dem Training hin…)

Ich muss gestehen…aufgrund meiner Überschwänglichkeit habe ich ein paar Dinge nicht ganz mitbekommen. Denn während ich mich fröhlich mit meinem neuen Freund bekannt machte tauschten Sir Bentley und meine Mitstreiter sich über unsere nächsten Vorhaben auf. Erst im Nachhinein sagte man mir dass unsere nächste Mission uns zurück nach Aberdeen, Schottland, führen würde. Innerlich freute ich mich. Zug fahren war für mich noch immer ein Abenteuer!
Natürlich nahm ich die Arbeit trotzdem ernst.

Nachdem Sir Bentley uns das Budget für die Reise gegeben hatte (natürlich dankte ich ihm sowohl für den Hund als auch für seine Großzügigkeit) gingen alle zu Bett. Es war etwas belebter in der Loge denn aufgrund Nikolais beunruhigendem Brief hatten Doktor Warrington und Nikolai beschlossen dass es am sichersten wäre vorerst in der Loge zu nächtigen. Goliath schlief natürlich an meinem Fußende! Ich glaube ich hatte noch nie in meinem Leben solch warme Füße.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem gemeinsamen Frühstück auf den Weg in die Stadt. Wir besserten unser Inventar auf (ich begnügte mich mit ein wenig Seife und einer kleinen Aufmerksamkeit für Doktor Doyle in Form von Gebäck und Wein) bevor wir zum Bahnhof aufbrachen. Die Zugfahrt nach Aberdeen verlief weitaus ereignisloser als unsere letzte. Während den elf Stunden die ich mit Doktor Warrington, Uli (unser neuer Mitstreiter aus Deutschland! Ich mag ihn, endlich kann ich meine Deutschkenntnisse etwas aufbessern! Ein wenig verrückt ist er dennoch, aber das passt gut zu unserer Gruppe!) und Goliath in der zweiten Klasse verbrachte versuchte ich relativ verzweifelt meinem Hund ein paar Dinge beizubringen. Er schien nicht sonderlich erpicht darauf Sitz oder Platz zu lernen. Stattdessen pinkelte er hin und wieder in die Ecke…elf Stunden sind eben doch zu lang für das arme Wesen!

Um 23 Uhr kamen wir ziemlich erschöpft in Aberdeen an. Wir beschlossen dass es am besten wäre uns erst einmal auszuruhen bevor wir uns auf die Suche nach diesem skurrilen Mann machen würden. Hugh und Doktor Doyle hausten natürlich in einem etwas besserem Hotel als Uli, Doktor Warrington, Nokolai und ich aber am nächsten Morgen brachen wir zu Lady Holly auf, unserer Bekanntschaft von unserem letzten Besuch.

Lady Holly freute sich uns zu sehen, der Butler schien auch nicht all zu schockiert. Leider konnte sie uns nicht sonderlich weiterhelfen, doch sie sagte uns dass der Hafen wohl eine gute Anlaufstelle wäre. Außerdem sicherte uns Doktor Doyle ihm und mir (und natürlich Goliath!) einen sicheren Platz für die Nacht. Auf eine vermutlich etwas eher unorthodoxe Art und Weise, das muss ich doch zugeben, aber ich war doch irgendwie froh dass sie darauf bestand dass ich auch in ihrem Anwesen schlafen sollte.

Nachdem alles geklärt war teilten wir uns auf. Während die anderen beschlossen die etwas nobleren Gegenden zu übernehmen gingen Uli und ich zum Hafen. Dort konnten wir nur in Erfahrung bringen dass ein Deutscher der gerade erst das Schiff verlassen hatte von einer Kutsche überfahren wurde. Eine vorerst unwichtige und langweilige Information. Nachdem wir mit unserer Informationssuche fertig waren kehrte Uli in das Hotel und ich zu Lady Holly zurück.

Am nächsten Morgen versammelten wir uns in Lady Hollys Wohnzimmer und besprachen was wir herausgefunden hatten. Zunächst musste mir Nikolai aber erst von den nächtlichen Geschehnissen berichten! Doktor Warrington und er waren wohl wieder in eine Kneipe gegangen wo Nikolai seinem Laster – dem Glücksspiel – nachgehen konnte. Er erzählte mir wie er ausversehen sein Gesicht in das – ich schäme mich es niederzuschreiben – Hinterteil einer Dame gedrückt hatte. Er hatte auch noch die Dreistigkeit sie auf seinen Schoß zu ziehen und so weiter zu spielen. Die Dreistigkeit in Person. Außerdem hatte er einem Taschendieb, der versucht hatte an seine Geldbörse zu kommen, einen Dolch durch die Hand gerammt. Tja…er hatte bewiesen dass er trotz seines schicken Haarschnitts (ich finde er hätte wenigstens Danke sagen können!) und der neuen Kleidung noch immer der unverschämte Flegel ist den ich vor ein paar Wochen kennengelernt hatte.

Außerdem las uns Doktor Warrington einen Brief vor den er am Abend zuvor noch erhalten hatte. Einer unserer Kollegen, Doktor Stuart McGregor, wolle sich mit ihm treffen! Er habe wohl einen Grund. Aber mehr wollte er nicht verraten, denn das wäre zu gefährlich falls der Brief in falsche Hände gerät. Doktor Warrington nahm sich vor ihm ein Telegramm zukommen zu lassen dass er seine Einladung auf jeden Fall annehmen würde!

Nachdem auch das geklärt war tauschten wir uns darüber aus was wir am Vortag herausgefunden hatten. Auch meine Kollegen berichteten von einem merkwürdigen Zwischenfall mit einem deutschen Kaufmann, der kurz nach unserer Abreise auf spurlose Weise verschwunden war. Nikolai konnte zudem noch die Adresse seines Hotels in Erfahrung bringen in dem er untergekommen war.

Wir beschlossen dass wir der Sache auf jeden Fall nachgehen sollten. Wir klügelten einen Plan aus: Uli sollte sich als deutscher Geschäftsmann ausgeben der mit dem verschwundenen Mann einen Geschäftstermin vereinbart hatte um ein Handelsabkommen abzuschließen. Ich sollte als sein vermeintlicher Übersetzer mitkommen um ihn etwas glaubwürdiger wirken zu lassen. Außerdem hatten wir gelernt dass es unklug war andere alleine zu lassen, egal in welcher Situation.

Nachdem Uli einen Anzug von Doktor Doyle angezogen hatte und auch ich mich in gewöhnlichere Kleidung geworfen hatte machten wir uns kurzerhand auf den Weg zum Hotel. Ehe wir das Hotel betraten vertraute ich Goliath Doktor Doyle an. Nikolais merkwürdigem Interesse an meinem Hund traute ich nicht ganz über den Weg.

Im Hotel selbst lief alles nach Plan. Sogar noch besser als geplant! Der Rezeptionist fragte ihn an einem gewissen Punkt ob er „Herr Falk“ sei und wir sahen unsere Chance und stimmten zu. Nachdem Uli den Mann an der Rezeption ein wenig eingeschüchtert hatte um ihm nicht seinen Ausweis zeigen zu müssen nahm er ihm seine Tarnung voll und ganz ab. Wir wurden in ein Hinterzimmer geführt in dem ein Koffer und ein Brief stand welcher an besagten Herr Falk adressiert war.

Wir nahmen das Gepäck und den Brief entgegen und kehrten nach draußen und gleich darauf zu Lady Hollys Anwesen zurück. Dort öffnete ich den Brief und übersetzte ihn zugleich meinen Kollegen.

_„Mein treuer Freund Josef,

meine Verhandlungen hier sind erledigt.
Ich konnte ein paar lukrative Geschäfte abschließen.
Ich habe nun dringliche Termine in Dublin. Bitte bring mein restliches Gepäck schon mal zurück nach Deutschland.
Du hältst die Wahrheit in deinen Händen, lasse dich erleuchten!

Hochachtungsvoll,
M. Sturm“_

Dieser Brief erschien uns allen suspekt. Erleuchten? Ich hob das Papier gegen das Licht, doch ich konnte nichts ausmachen. Aber Doktor Warrington hatte eine gewiefte Idee! Er und Hugh nahmen den Brief und hielten ihn abwechselnd über die Flamme einer Kerze…und nur wenige Momente später offenbarte sich uns eine geheime Nachricht!

„Diese verfluchten Ripper!
Sie haben alles ruiniert! Wir müssen unsere Aktivitäten hier vorerst abbrechen.
Bring alles zurück nach Deutschland und informiere die Anderen.
Ich werde Rache üben! Ich musste mit ansehen wie die Ripper Anna töteten.
Ich konnte bereits zwei Namen in Erfahrung bringen:
Dr. Kilian Doyle
Leon McWigan
Es sollte mir nicht schwer fallen die Namen der restlichen Jägwe zu erfahren!
Ich werde ihnen nach London nachreisen um möglichst viel in Erfahrung zu bringen.
Sie werden für alles bezahlen, kein Wolf bleibt ungerächt!
Magnus“

Geschockt ließ ich den Brief sinken und sah Doktor Doyle an. Sie kannten also zwei unserer Mitglieder beim Namen. Das konnte nur Probleme bedeuten.

Comments

Monsieur

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