Rippers

Von Enden und Neuanfängen

Extracted Notes Dr. phil K. Doyle, Edinburgh/London/Rosslyn, February 1892

[…] Wir nahmen also den Zug zurück nach Edinburgh, Stuart McGregor’s Einladung folgend, wenngleich mich eine tiefe innere Unruhe plagte. Der Brief, indem explizit von mir und Leon berichtet wurde, ließ mir keine Ruhe. Doch da Edinburgh ohnehin auf dem Weg zurück nach London lag und die Angelegenheit Dr. Warrington sehr am Herz lag, hielt ich es nicht für falsch, dort noch etwas zu verweilen. Die Aussicht auf neue Ripper Tech klang ungemein vielversprechend.

In der schottischen Loge erwartete uns ein eher unschöner Anblick. Ein Untoter, ein Hexensucher um genau zu sein, wurde uns präsentiert. Seine vertrocknete Haut war von Wunden übersät und seine gelblichen, pupillenlosen Augen schienen von innen heraus zu leuchten. Ich persönlich wäre einer Transplantation überhaupt irgendeines seiner Körperteile eher abgeneigt. Nikolai hingegen schien mehr als angetan. Und dann auch noch das Herz! Gott sei Dank verlief die Operation problemlos. Es war faszinierend den Doktoren bei solch einem komplexen Eingriff zuzusehen. Wenngleich ich nicht umhin kam, mich um Nikolai und seinen Geisteszustand zu sorgen. Es war nicht seine erste Transplantation… Besser, ich würde bald mit gesonderten Therapiesitzungen anfangen. Nur um sicher zu gehen. […]

[…] Es war von Anfang an keine gute Idee gewesen. Wie hatte McGregor dem nur zustimmen können?! Dass sein Assistent nicht viel taugt, konnte man aus 30 Meilen Entfernung sehen! Obendrein war es ein unvorstellbar schwerer Eingriff selbst ohne irgendwelche Komplikationen. Und nun stand es schlecht um Dr. Warrington. Seine OP – der Versuch, ihm einen Teil eines Hexenhirns einzupflanzen – war nicht erfolgreich verlaufen. Eher das komplette Gegenteil. Ich beschloss selbst Hand anzulegen und kümmerte mich so gut es ging um meinen Kollegen. So fühlte ich mich wenigstens nicht ganz so hilflos. Zum Glück war die Loge gut ausgestattet und wir waren imstande Edward vor schlimmeren Schäden zu bewahren. Nur eine unschöne Narbe am Kopf wird ihm wohl erhalten bleiben… Was für ein Schreck. […]

[…] Die restliche Reise zurück nach London verlief ereignislos. Doch die Anspannung stieg. Hatte Leon mein Telegramm erhalten? Waren er und Sir Bentley in Sicherheit? Der Weg zu unserer Loge schien sich über Stunden hinweg zu ziehen. Einmal angekommen, mussten wir feststellen, dass die Tür verriegelt war. Niemand antwortete. Nachdem Nikolai uns Einlass verschaffte stießen wir auf eine weitere verbarrikadierte Tür. Was wir schließlich hinter ihr fanden war für alle Anwesenden ein Schock… Sir Bentley lag auf dem Tisch des Konferenzzimmers. Ermordet. Kopflos. Und sein Haupt schien nicht einfach nur mit einer Klinge abgetrennt worden zu sein. Nein, es war brutalst vom Rest des Körpers gerissen worden. Und unauffindbar. Benommen suchten wir die Loge nach weiteren Hinweisen auf den Mörder ab. Und auf Leon. Gerade als sich Panik in mir breit machte, fanden wir ihn schließlich. Am Fuße der Kellertreppe. Bewusstlos, aber lebendig. Ein Stein fiel mir vom Herzen. Seit ich ihn mit Alex aus dem Sanatorium gerettet hatte, war er mir sehr ans Herz gewachsen und ich sah es als meine Aufgabe an, ihn zu beschützen.
Wir versorgten ihn so gut es ging und sammelten uns. Jetzt musste alles neu überdacht werden. Wie würde es weitergehen?

Plötzlich klopfte es an der Tür. Draußen stand ein gewisser Robert Coil, Mitglied der Van Helsing Loge. Wir beschlossen uns nach einem kurzen Abstecher zu Dr. Warringtons Haus uns zu eben dieser aufzumachen.
Bei des Doktors Haus erwarteten Nikolai noch einige Briefe von… übereifrigen Verehrerinnen. In solch einer dunklen Stunde brachten uns die Schriftstücke der Damen zumindest etwas Heiterkeit. Auch Alex’ Anwesenheit neben mir auf dem Kutschbock half. Er konnte spüren, dass es sich genauso verloren fühlte wie ich, doch seine bloße Präsenz bei mir beruhigte mich bereits etwas. Wir mussten jetzt klar denken. Unser aller Leben hing davon ab. […]

[…] Van Helsing schien ebenfalls tief betrübt über den Verlust von Sir Bentley, ebenso wie viele weitere Ripper. Dennoch betraute er uns mit zweierlei Aufgaben. Zuerst sollten wir seinen verschwundenen Vater wiederfinden. Dann wurde uns das Angebot unterbreitet, unsere eigene Loge in Aberdeen zu gründen. Etwas Startkapital steuerte er ebenfalls bei. Also machten wir uns gleich an die Arbeit und durchforsteten Van Helsing Senior’s persönliche Unterlagen. Tagebücher, diverse Notizen, etc… Bis wir auf etwas trafen, das unsere Aufmerksamkeit auf sich zog. Notizen über die unfertige Rosslyn-Kapelle und eine ominöse Nachricht, die von einem Schlüssel berichtete, der bei einem Stützpfeiler ausprobiert werden sollte und von einem Jack, der als einziger Kenntnis über die Position von irgendwelchen Säulen zu haben schien und einem Geheimnis, welches es zu ergründen galt. […]

[…] Sir Bentley’s Beerdigung fand noch am selben Abend statt. Viele Ripper waren anwesend als er eingeäschert und beigesetzt wurde. Tiefe Trauer und Bestürztheit war auf dem Großteil der Gesichter zu erkennen, vor allem aber bei meinen Teamkameraden. Es war ein wahrlich schwarzer Tag für unser Team. Nichtsdestotrotz mussten wir uns auf den Weg nach Rosslyn machen… […]

[…] Van Helsing war mehr als großzügig, so stellte sich heraus. Nicht nur gab er uns das Startkapital für unsere eigene Loge, auch stellte er uns einige seiner Leute für diese Mission zur Verfügung und nahm es auf sich, uns allen eine angenehme Reise in der ersten Klasse zu ermöglichen. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass wir nur auf seinen Wunsch hin nach seinem Vater suchten, schien dies durchaus angemessen.

Wir erreichten Rosslyn und machten uns sogleich auf die Suche nach Informationen. Sicherlich würden einem die Ortsansässigen einiges von der berüchtigten, unfertigen Kapelle der Freimaurer berichten können. Während Hugh, Nikolai und ich in einem etwas edleren Pub subtil die Leute ausfragten, wurden Alex, sein neuer (und überaus unnützer, wenn ich das anmerken darf) Hund und der immer noch etwas angeschlagene Dr. Warrington auf den Straßen Rosslyn’s angegriffen. Glücklicherweise eilte ihnen ausgerechnet die Gendarmerie zur Hilfe und brachte sie schlussendlich zurück zu uns. Gerade noch rechtzeitig.
Uns wurde mitgeteilt, dass die Kirche der Öffentlichkeit außerhalb der Messe für gewöhnlich nicht offen stand, doch wurden Freimaurer-Führungen angeboten für Interessierte. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. […]

[…] Alex, Hugh und Edward besuchten sogar ebenfalls den Gottesdienst. Diese Zeit nutzte ich um mit Nikolai etwas trinken zu gehen. Seine momentane Glückssträhne erheiterte mich. Auch wenn ich voller Sorge um ihn war. Ich versuchte so unterschwellig wie möglich Fragen zu seiner Person und seiner Vergangenheit zu stellen, während wir ein Glas nach dem anderen leerten. So hatte es weder eine ‘Therapie-Atmosphäre’ noch irgendeinen unangenehmen Nachklang und ich konnte mehr über ihn erfahren. […]

[…] Die Führung war überraschend uninformativ. Alle Fragen zu Geheimgängen oder dergleichen wurden lachend abgewiesen. Doch fanden wir währenddessen wenigstens die Zeit um uns die Säulen und Türen genauer anzusehen. Als wir nach unserem Ermessen so viel wie unter diesen Umständen nur möglich herausgefunden hatten, machten wir uns bereit. heute Nacht würden wir in die Kirche einbrechen und ihnen Geheimnissen auf den Grund gehen…

- K.D.

Comments

Thesi

I'm sorry, but we no longer support this web browser. Please upgrade your browser or install Chrome or Firefox to enjoy the full functionality of this site.