Rippers

Von Gnollumen und unsichtbaren Feen

Mitte Februar

Trotz des Werwolfsangriffes verlief unsere restliche Fahrt nach Yorkshire ohne weitere Vorfälle.

Wir suchten die Dorfherberge auf und erfuhren von der alten Wirtin, dass es sich bei den beiden Mädchen auf dem Foto um Elizabeth und Emely Cottingly handelte. Ohne Umschweife machten sich der eine Teil unseres Teams auf den Weg zum Haus der Mädchen, während ich Warrington begleitet der einen geeigneten Platz für meine nächste Operation suchte und sich erhoffte die Räumlichkeiten des Dorfarztes nutzen zu können.
Ich vertraute Warrington, denn schon bei meinen Augen hatte er ausgezeichnete Arbeit geleistet.
Ich fühlte mich in guten Händen. Ein Fehler wie sich später herausstellte.
Als ich nach der Operation mit brummendem Schädel, völlig allein und mit unverändertem jedoch extrem schmerzendem Kiefer in dem finsteren OP-Raum erwarte, hätte ich Warrington am liebsten in den Arsch getreten.
Als ich dann aber feststellen musste, dass der verdammte Quacksalber mir auch noch meine Haare stark gekürzt hatte, hätte ich ihm am liebsten jeden Zahn einzeln ausgeschlagen.
Beim Verlassen des Hauses konnte mir der senile Alte, der sich Dorfarzt, schimpfte auch keine weiteren Auskünfte über Warringtons verbleib geben. Daher machte ich mich allein auf den Weg zum Haus der Mädchen um dort meine Kameraden anzutreffen.
Zu meinem Glück traf ich diese auch schon in Begleitung der beiden gesuchten Mädchen an.
Nur wenige Augenblicke später, gesellte sich auch Warrington dazu.
Ich dankte ihm ausgiebig mit meiner Rechten für die misslungene Operation und versuchte dem alten Sack keine weiteren Schäden zuzufügen. Ich würde meine Rache noch bekommen. Jedoch später…
Gemeinsam mit den Kindern machten wir uns auf den Weg zu der Lichtung auf der sie mit einem unsichtbaren Wesen und den merkwürdigen kleinen Gnomen immer spielten.
Unser Team hielt sich geschickt zwischen den Bäumen versteckt. Auch wenn es recht schwierig war unauffällig zu bleiben und nicht gleich lauthals loszulachen, da sich Jones in seinem Versuch sich perfekt zu tarnen kurzerhand in Wildschweinkacke gelegt hatte.
Trotz allem gelang es uns schlussendlich doch den Mädchen in das geheime Gnomendorf zu folgen.
Der grausige Anblick der sich uns dort dann aber bot, kostet einige von uns ziemliche Überwindung.
Die Höhle in der sich das Dorf befand war voll von diesen grässlichen kleinen Missgeburten, die gaffend und knurrend die beiden Mädchen beobachteten, welche sich voller Freude menschliche Körperteile einverleibten.
Wir versuchten uns besser in der Höhle aufzuteilen, vorbei unser Neuzugang Uli sogleich mit akrobatischen Sprüngen vorpreschte und Stellung am anderen Ende der Hölle bezog. Wir anderen Rückten Stück für Stück auf und versuchten und einen Überblick über die Situation zu verschaffen.
Bis unser Priesterchen den bestialischen Anblick der beiden menschenfressenden Mädchen nicht mehr aushielt und angriff.
Sogleich lag die Aufmerksamkeit der abartigen Wesen auf uns und sie attackierten uns.
Die kleinen Zwerge waren keine sonderlich große Gefahr, jedoch machte ihre Anzahl den Kampf sehr mühsam.
Als sich dann noch die beiden verstörten Mädchen krampfend auf den Boden warfen und in werwolfartige Kreaturen wandelten, war es klar, dass wir die Kinder nicht mehr retten konnten.
Sie mussten sterben!
Leider gelang es der kleineren zu entkommen.
Ihre ältere Schwester wurde getötet und nahm die Form ihres menschlichen Körpers wieder an.
Die Gnome und das unsichtbare Wesen waren vernichtet. Wir hatten ein Kind ermordet und ein weiteres war als fleischfressendes Monster in den Wald geflüchtet.
Nachdem wir die Höhle durchsucht hatten, fand ich in einer der Holzhütten ein seltsames Kästchen.
Da das Schloss doch etwas komplexer war, nahm ich es an mich um mich zu einem späteren Zeitpunkt darum zu kümmern.
Um alle Beweise zu vernichten, ließ es mir nicht nehmen, nach unserer typischen Vorgehensweise zu handeln und alles niederzubrennen.
Außerhalb der Höhle würde durch das Feuer keinen größeren Schaden anrichten können und so war es die sicherste Methode all die Leichen am schnellsten verschwinden zu lassen.

Nach längeren Diskussionen und Überlegungen entschieden wir schlussendlich doch, dass wir uns vorerst von dem Dorf fernhalten sollten und verbrachten die stürmische und regnerische Nacht in einer abgelegenen Scheune.
Am nächsten Morgen machten wir auf den Weg zurück nach London.

Die Reise nach London war recht anstrengend und Dr. Doyle setzte mich und Warrington gütiger Weise direkt am Anwesen des Doktors ab.
Doch schon als wir uns der Tür näherten, wurde klar, dass etwas nicht stimmte.
Diese war aufgebrochen. Warrington und ich waren sofort kampfbereit.
Wir gingen ins Haus und teilten uns auf um nach den Eindringlingen zu suchen.
Alles schien wie eh und je. Bis auf den merkwürdigen Brief in meinem Schlafraum.

„Ihre Zeit ist abgelaufen. Grüße auf Moskau.“
Fassungslos starrte ich den mit kyrillischen Zeichen versehenen Zettel in meiner Hand an.
Das konnte unmöglich sein. Wie konnte man mich hier in England finden? Und das so schnell? Woher wussten sie, dass ich bei Warrington hauste? Und vor allem wer waren sie? Es kamen einfach zu viele in Frage…

Ich legte Warrington den Zettel vor und wir entschieden beide, dass es sicherer war die Nacht in der Loge bei den anderen zu verbringen.

Glücklicherweise kam es dort auch zu keinen weiteren Vorfällen mehr.

Am nächsten Morgen versuchte ich mich erneut an dem Schloss der kleinen Schatulle die ich aus dem Versteck der Gnome mitgenommen hatte und konnte es diesmal auch problemlos knacken.
Zu meiner Überraschung fanden sich 50 Pfund darin.
Das Glück scheint mir hold zu sein. Das Geld werde ich gewinnbringend anlegen.

(Tagebucheintrag: Nikolai Arno)

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Juuri

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